Willkommen bei der Praunheimer Bläserey
2 x 10 Jahre Bläserey

An einem schönen Nachmittag im Spätsommer 1988 saß Bernd Lechla an der Nidda . . . seine Augen waren geschlossen . . . wunderbare Bilder von schönen und großen Fischen . . . da, was ist das, ein Trompetenfisch? . . . Du Michael, ich habe heute einen Trompetenfisch gesehen, jedenfalls im Geiste. Da kam mir die Idee . . . Genau sagte Michael, was hältst du von einem . . . Posaunenchor, riefen beide auf einmal aus.

Geradezu poetisch beginnen Ute Beckmann und Michael Schirrmeister ihre Chronik zum zehnjährigen Bestehen der Praunheimer Bläserey. Inzwischen sind weitere 10 Jahre vergangen, wir schreiben das Jahr 2009, die Nidda-Story fand inzwischen sogar Eingang in die Presselandschaft (siehe FNP vom 13.11.08), der Chronist hat ein schlechtes Gewissen und Hobby-Angler Bernd räsoniert: Wer hat sich denn diesen Käse ausgedacht ?!

Deshalb zu obiger Einleitung erst mal eine katholische Beichte in aller evangelischen Nüchternheit: Landschaftliche Kulisse = Dichtung,   Handelnde Personen = Wahrheit,   Story = Anglerlatein!

Wie nun also historisch korrekt ? Handelnde Person Nr. 1 war in der Tat Michael Schirrmeister. Als Pfarrer und Hornist träumte er schon lange von einem Posaunenchor für seine Praunheimer Auferstehungs­gemeinde. Er selbst würde da natürlich auch gern mitmachen.

Und 2. war da seit 1986 der neue, von jugendlichem Elan erfüllte Kantor. Bernd Lechla musste aber, neben Orgelspiel und Kasualien, sich erst einmal um das Erbe seines viel zu früh verstorbenen Vorgängers Gustav Geisel kümmern, also um Kantorei und Flötengruppen. Außerdem war er kein studierter Blechbläser.  Die als besonders wichtig erachtete Jungbläser-Ausbildung mochte er deshalb natürlich nicht übernehmen.

Michael gab jedoch nicht auf. Nachdem er 1988 durch einen Zufall auf die beiden exzellenten Trompeten­spieler Silvia und Reiner Scheerer gestoßen war, konnte er Bernd freudestrahlend berichten: Ich habe da ein Geschwisterpaar entdeckt, die machen das mit dem Anfängerunterricht! Und wenn daraus eine Jungbläsergruppe entsteht – die würde der Reiner auch leiten.

Insgeheim hatte Bernd längst Geschmack an der Posaunenchor-Idee gefunden: Trompeten, Posaunen und Hörner im Gottesdienst. Auftritte unter freiem Himmel. Später mal Konzertreisen. Ausprobieren, wie selbst geschriebene Sätze klingen. Und vielleicht könnte man mit so einer Blechbläsergruppe auch Richard Wagner spielen . . .

Aber erst mal an die Arbeit! Auf der Titelseite des ersten Auferstehungsboten 1989 wurde diese Anzeige veröffentlicht:


Ute und Werner, die noch im selben Jahr zu dieser Gruppe hinzustoßen, berichten später in ihrem

Versuch einer Chronik:

Am 26. 1. 1989 um 18.00 Uhr traf sich eine kleine Gruppe im Gemeindehaus der Auferstehungs­gemeinde. Rolf Schneider, Ursula und Daniel Cuncic, Michael Schirrmeister, Fritz Schmidt, Silvia und Reiner Scheerer und Bernd Lechla. Einige von ihnen hatten sogar Instrumente dabei, so dass erste wohlklingende Töne den Gemeindesaal erfüllten. Silvia und Reiner waren die Champs an der Trompete und übernahmen selbstlos den sicherlich anstrengenderen Part, die sogenannten Jungbläser, die im wahrsten Sinne des Wortes von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, im filigranen Spiel der Blechmusik zu unterrichten.

Blumenfest 1989:  Reiner, Silvia, Ute, Werner  /  Michael, Fritz, Alfred  /  Die Jungbläser, inklusive Kantor Bernd (rechts)

Diesem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass auch heute noch der Posaunenchor auf fundiertem Blech steht. Nach mehreren Monaten des Übens mit Einzelunterricht und Gesamtproben wagte sich der Posaunenchor so langsam an die Öffentlichkeit. Choralbegleitung bei Gottesdiensten und Feiertagen, sowie das Vortragen klassischer und sakraler Musikstücke festigten das Selbstbewusstsein der einzelnen Bläser. Immer mehr "Neue" kamen, um zuzuhören und mitzublasen.

Der Posaunenchor fing an, zu wachsen. Als Anfang 1990 der Probenplan für das kommende Jahr verteilt war, wurde so langsam jedem klar, dass die Zeit der kleineren Auftritte vorbei war. Für den 14. 6.1990 stand eine Konzertreise nach Eisleben bevor. Wieder wurde geübt und geprobt.

Das erste Mal fuhr der Posaunenchor zu seinem heute jährlich stattfindenden Probenwochenende: In Mauloff wurde das Eisleben-Programm eingeübt. Dies war außer harter Arbeit mit dem Kantor und den Instrumenten auch mit viel Spaß, kulinarischen Hochgenüssen, Sauna, Schwimmbad, netten Bungalows und Zeit für Gespräche miteinander verbunden.

 Mauloff 1990

Michael Schirrmeister organisierte über Ingo Rockmann, den Pfarrer der Partnergemeinde in Eisleben, unsere Reise mit Unterkunft, Verpflegung und Konzerttermin. Es war eine schöne und erlebnisreiche Reise. Der Praunheimer Posaunenchor spielte - inzwischen auf siebzehn Bläserinnen und Bläser angewachsen - ein stimmgewaltiges Konzert in der St. Petri-Pauli-Kirche. Direkt nach unserer Rückkehr nutzten wir unser gut geübtes Zusammenspiel für unseren ersten Serenadenabend.

 

Eisleben 1990:  Mit dem Pfarrer von St. Peter und Paul (vorn) vor Luthers Geburtshaus  /  Abstecher zu G.F. Händel nach Halle a.d.S.

Wieso eigentlich: "Praunheimer Posaunenchor"??? Es muß so um den Jahreswechsel 1990/91 gewesen sein, als sich Bläserinnen und Bläser nach einer wie üblich hochkonzentrierten und anstrengenden Probe zur Nachbesinnung im damaligen Alexis noch zu einer Pizza und einem erfrischenden Getränk zusammenfanden. Die Unterhaltung war wie üblich rege und kreativ. Man fing an zu überlegen, welchen aussagekräftigeren und interessanteren Namen der Praunheimer Posaunenchor führen könnte.

Der Vorschlag Blechhaufen wurde mit dem Satz "Du redest höchstens einen Haufen Blech" abgeschmettert. Ebenso die Idee eines Fußballfans, der, sicherlich noch unter dem Eindruck des letzten Spiels der Frankfurter Eintracht stehend, den l.PPC (Erster Praunheimer Posaunenchor) vorschlug. Ebenfalls scheiterten dann auch die anspruchsvolleren Vorschläge wie das Praunheimer Blechblasensemble und die Auferstehungsbläser. Senior Fritz sagte dann, "wie wäre es mit Bläserei"? Das kam an! Man einigte sich darauf, das "i" ganz altertümlich durch ein "y" zu ersetzen und ein "Praunheimer" davorzustellen. Mit dem neuen Namen begann der unaufhaltsame Aufstieg der . . .

. . . Praunheimer Bläserey  !

 Neue Highlights folgten: die Konzertreisen nach Gleiwitz in Polen und nach Lyon, wie auch gefeierte Serenadenabende, Weihnachtskonzerte und Gottesdienstbegleitungen.


Glivice 1991:  Der Neptunbrunnen neben dem Rathaus  /  Plakat des Bläserey - Konzerts in der Gleiwitzer evangelischen Kirche.          Die Gemeinde schenkte uns zur Erinnerung und als Dankeschön einen Kronleuchter, der bis heute in der Auferstehungskirche hängt.


Lyon 1993:  Start vor unserer Praunheimer Auferstehungskirche  

  Typisch französicher Empfang bei Familie Sambat

 Konzert in der Kirche St. François de Sales

"Neue Presse" vom 1. September 1992:

 

Nicht alle Pressestimmen waren der Bläserey derart freundlich gestimmt.

In den Jahren 1995 und 1996 spielte die Praunheimer Bläserey auch Konzerte für die Praunheimer Konzerttage. Alle Einnahmen dieser Aufführungen wurden dem Bau der neuen Orgel der evangelischen Auferstehungskirche zur Verfügung gestellt, die am 3. 11. 1996 mit einem festlichen Akt eingeweiht werden konnte.

1997 kam es zu einem tiefen und tränenreichen Abschnitt im Werdegang der Bläserey. Bernd Lechla nahm seinen Abschied. Ein stimmungsvolles Konzert in Kalbach am 14. 12. 1997 bildete das Ende einer schönen und erfolgreichen Zeit und zugleich das Ende einer Ära.

Könnte man eine Chronik musikalisch untermalen, so müsste der werte Rezipient jetzt eine spannungsgeladene, mit tiefen Bässen und schrillen hohen Krimimusiktönen, ausgelegte Musik im Hintergrund hören mit der alles überstrahlenden Frage: Wer ist wohl der Neue?

Keine Sorge – es geht munter weiter !

So weit also Utes und Werners Bericht über 9 erfolgreiche Jahre. Und der Neue ist: Michael Dierks, Kirchenmusiker mit A-Examen wie Bernd, gleiche Aufgabe als Gemeinde-Kantor, ebenfalls mit Elan und – teilweise natürlich anderen – Ideen. Bewährte Unterstützung findet auch er bei „seinem“ Hornisten und unermüdlichen Organisator, Pfarrer Schirrmeister.

So verwundert nicht, dass z.B. beim Osterfest 1998 schon in buchstäblicher Herrgottsfrühe Trompeten, Hörner und Posaunen schmettern. Auch bei der Praunheimer Sommernacht – Nachfolger des traditionsreichen Blumenfests – macht die Bläserey natürlich mit. Musikalisch setzt Michael einige neue Akzente, indem er etwa besonderen Wert auf klangliche Nuancen und Phrasierungen in der Barockmusik oder auf die die Pflege zeitgenössischer Musik legt. Beispielhaft sei die Uraufführung einer Auftragskomposition genannt, die Franz F. Kaern  2001 für den Kirchentag komponiert hat.

Im Frühjahr 1999 ist aber erst einmal eine zünftige Fete zum zehnjährigen Bestehen der Praunheimer Bläserey fällig. Neben Aktiven und Ehemaligen nebst „Anhang“ kommen Ex-Dirigent Bernd Lechla und die Gastbläser Birgit Steinfels, Horst Gerwert und Horst Lebeda, der schon in Lyon unseren Alfred J. Ströhle (auf das J. legt er Wert!) mit einer 2. Tuba unterstützt hat. Später im Herbst beim Jubiläums­konzert ist Birgit die Trompetensolistin. Bei dieser Gelegenheit gibt sich auch das Ensemble Blech pur unter LPW Frank Vogel die Ehre.


Jubiläumsjahr 1999: Probenwochenende in Herbstein / Festkonzert in der Auferstehungskirche

2001 ist schon wieder Schluss: Michael hat sich erfolgreich für eine Stelle als Kantor der deutschen evangelischen Gemeinde in Stockholm beworben, und das ist natürlich eine tolle Perspektive für ihn. Am 25. März gibt die Bläserey ihrem zweiten Leiter die Abschschiedsfete, und das eigens getextete Liedchen auf die Melodie Muss i denn findet sich 2 Tage später im Lokalteil der FNP wieder.

Zum Frankfurter Kirchentag im Juni lässt es sich Michael aber nicht nehmen, die zuvor eingeübte Auftragskomposition zum Eröffnungsgottesdienst in der Auferstehungskirche zu dirigieren: Das 12-stimmige, fast nur aus Triolen aller Art bestehende Werk Feste Burg – weiter Raum des jungen Komponisten Franz-Ferdinand Kaern.

Die bewegte „kantorenlose“ Zeit

Was zunächst keiner ahnte: Wegen zukünftig geplanter Änderungen im kirchenmusikalischen Bereich belegt der Evangelische Regionalverband die Kantorenstelle, nach dem Weggang von Michael Dierks, mit einer Wiederbesetzungssperre. Kantorei, Flötengruppen und Bläserey müssen sich nun selbst um Dirigenten bemühen. Dank guter Kontakte zur Musikhochschule und mit tatkräftiger Unterstützung durch Kirchenvorstand, Finanzausschuss und kirchenmusikalischen Ausschuss gelingt nicht nur das, sondern vor allem auch die Erlangung eines Budgets zur Bezahlung dieser freien Mitarbeiter.

Und was für die Bläserey mindestens genau so wichtig ist: Aus diesem Budget kann auch ein Teil des Einzelunterrichts für Jungbläser finanziert werden. Hierfür steht der Blechblasprofi Emidio Camilli zur Verfügung, der über Horst Gerwerts Susato-Quintett  den Weg zu uns gefunden hat. Der Förderkreis Kirchenmusik in Praunheim  soll nämlich nicht über Gebühr angebettelt werden; er hat schon eine Leihtrompete, Notenständer, Pultleuchten usw. gesponsert.


Wechselvolles Jahr 2001: Roman Kuperschmidts Abschiedsvorstellung auf dem Herbstfest der Auferstehungsgemeinde

Bei der Praunheimer Bläserey springt zunächst Roman Kuperschmidt als Dirigent ein. Von Haus aus Holzbläser, beginnt er die Proben nicht nur mit Einblasen, sondern legt auch Wert auf Atemübungen. Gleich steigt er in die Proben- und Aufführungsroutine ein: 27.03.01 erste Übungsstunde, 15.04. Ostergottesdienst, 20.05. Konfirmation Wichern usw. Am 23. September 2001 verabschiedet sich Roman anlässlich eines Bläserey-Auftritts beim Herbstfest im Kirchgarten unserer Gemeinde.

Danach wird Tabea Fuhr für reichlich 3 Jahre Leiterin der Praunheimer Bläserey. Ähnlich wie der Vorgänger und der Nachfolger, studiert sie Musik und spielt ein Blasinstrument, nämlich Waldhorn. Ihr Hauptinstrument im Studium ist zwar die Orgel, aber Horn spielt sie schon von Kindesbeinen an in verschiedenen Gruppen ihrer Heimatgemeinde. Dort liegt wohl auch die Basis ihrer Kenntnis der Bläserliteratur und ihres Gefühls für die Aufführbarkeit auch schwierigerer Stücke.


Hohen Neuendorf 2002: KMD Winter applaudiert

Typisch für die kantorenlose Zeit, hat das traditionelle Konzert im Advent des Jahres 2001 gleich drei Leiter: Bläserey - Tabea Fuhr, Kantorei - Bastian Baumann, Flötenkreise – Elke Eisbrich. Und so bleibt es auch in den folgenden Jahren, wenn die Blechbläser zusammen mit anderen Gruppen unter z.T. wechselnden Dirigenten auftreten. 


Frankfurt 2004: Zünftiger Emppfang der Berliner Gäste

Erstes Highlight unter Tabeas Leitung ist das Frühjahrskonzert 2002 mit dem fetzigen Titel Vom Choral zum Bossa Nova. In ihrer Zeit gelingt auch, nach langer Pause, eine schöne Konzertreise. Sie führt nach Berlin und in die (inzwischen vereinigten) Vororte Hohen Neuendorf und Bergfelde, wo der Chronist dieser Zeilen vor langer Zeit das Musizieren auf Blechblasinstrumenten erlernte und schließlich einen Posaunenchor leitete. Zwei Jahre später erfolgt der Gegenbesuch – mit den Programm­punkten Kaisersaal, Ebbelwei-Express, Geschichte Praunheims (Führung durch Sven Köllen) und dem abendlichen Bläserkonzert Berlin-Frankfurt.

Jahr der Jubiläen


1200 Jahre Praunheim: Festgottesdienst im Kirchgarten / . . .


2004 bietet aber noch allerhand andere – für uns auch musikalische - Ereignisse: Jubiläum 15 Jahre Bläserey im Januar, Festakt 1200 Jahre Praunheim im März, Amtseinführung Pfarrer Hofmann im April, Himmelfahrts-Gottesdienst an der Nidda, Probenwochenende in Herbstein, Fronleichnam in Praunheim und in Eckenheim (2 Bläsergruppen!), Verabschiedung Ute Beckmann (künftig ist Christoph Hertig unser erster Trompeter), Jubiläums-Zehntscheunenfest mit Auftritten nahe der Nidda mittags (Wassermusik) sowie abends (Feuerwerksmusik). Nicht gerechnet die üblichen Einsätze der Bläserey bei der Praunheimer Sommernacht, bei St-Martins-Umzügen, Adventsmärkten und Adventsmusiken (das traditionelle Adventskonzert  diesmal in der Christ-König-Gemeinde).


. . . / Praunheimer Wassermusik / mit Gästen nach der Feuerwerksmusik


Das letzte Ereignis des Jahres 2004 heißt Abschied nehmen. Tabeas Studium nähert sich der heißen Phase und erfordert volle Konzentration darauf. Also gehen wir ein weiteres Mal auf Suche und laden vier erfolgversprechende Kandidaten zum Probedirigat. Nach einigen Zu- und Absagen fällt die Wahl schließlich auf Sebastian Blaut.

Das erweist sich als guter Griff. Seine Studienfächer Dirigieren und Cellospiel einmal beiseite gelassen, bläst Sebastian seit langem Posaune sowie Tenorhorn/Bariton/Euphonium. Weiterentwickelt hat er sein Spiel in der heimatlichen Mannheimer Bläserphilharmonie  und dem Jungen Blechbläser­ensemble Mannheim. Bläserphilharmonien (auch eine solche in Frankfurt) stehen üblicherweise in der Tradition der englischen Wind Orchestras, die vor allem aus Blech-, Holzbläsern und Percussion bestehen.

Dementsprechend entwickelt Sebastian die schon von Tabea gepflegte fetzige Komponente  unseres Repertoires zügig weiter. In seiner Zeit festigt sich auch die Tradition, in Konzerte Gruppen einzufügen, die nur aus tiefen Stimmen bestehen. Und zwar bevorzugt „reinrassig“ besetzt, also nur mit Posaunen oder  nur mit Horninstrumenten. In beiden Fällen kannn er ja selbst mitspielen.


Konzertvorbereitung 2006: Probenwochenende Hohensolms / Absprache zwischen Bariton und Tenorhorn

Das Motto des Bläser(ey)Konzerts  im Herbst 2005 signalisiert gewohnte Vielseitigkeit: barock, romantisch, dramatisch, modern. Seit diesem Jahr etabliert sich übrigens endgültig das jährliche Hauptkonzert der Praunheimer Bläserey im Herbst und davor das Proben­wochenende - diesmal in Worms, ansonsten eher in grüner Umgebung. Im Folgejahr hat das Herbstkonzert in seinem, sagen wir, populärmusikalischen Teil dann erstmals eine professionelle Schlagzeugunterstützung.

Na bitte: Ein neuer Kantor!



06.02.07: Die Bläserey wird „volljährig“ und hat Michael als neuen Leiter. Mit dabei: Bernd, Volker und Sebastian (unten).

Als es unserer Gemeinde gelingt, zusammen mit Cantate Domino wieder einen festen Kantor zu erhalten, wird Sebastian nach nur 2 Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet (um Pfarrer und Posaunist Volker Hofmann zu zitieren).

Ab 01.02.2007 leitet also der neue Hauptamtliche, Michael Buschmann, die Praunheimer Bläserey. Eine Besonderheit, die dieser Aufgabe sehr entgegenkommt, sind die drei Stationen seiner musikalischen Ausbildung: Musikhochschule Köln (Dirigierstudium, Examen), FolkwangHochschule Essen (Ev. Kirchenmusik, A-Abschluss), Hochschschule für Künste Bremen (Barockmusik, Orgelklasse Prof. Vogel). 


Der Gottesdienst zu Michaels Amtseinführung am Sonntag Invokavit (25.02.07) wird natürlich von – nun – seiner  Praunheimer Bläserey eröffnet. Neu ist für uns, dass zur Konfirmation auch in Cantate Domino geblasen wird, denn Michael ist ja hauptamtlicher Kirchenmusiker für beide Gemeinden und als solcher Angestellter des Dekanats Nord. Die Tradition des Probenwochenendes und nachfolgenden Konzerts führt er kreativ weiter. Es steht diesmal unter dem Motto Herbstwind  und als Solisten machen Horst Gerwert (Trompete) und Sina Trachte (Oboe) wohlklingenden Wind. Wenn blues, funk and drive  ertönen, sorgt das Schlagzeug für die rhythmische Basis.

Bei der 1. Praunheimer Musikwerkstatt  im Frühjahr 2008 treten dann erstmals einige Jungbläser auf, die Katja Völger aus Emidios Einzelunterricht übernommen und zu einer noch namenlosen Gruppe zusammengeführt hat (Katja würde vielleicht sagen: zusammengeboxt hat). Dass unsere tiefen Stimmen hier unter dem Namen DickBlech  teilnehmen, mit Fremdunterstützung durch Wolfgang Tews, ist im Vergleich zur Jungbläserpremiere weniger der Rede wert. Jedenfalls startet noch im Herbst des gleichen Jahres die 2. Musikwerkstatt – jeder kann mitmachen.


Der erste bundesweite Deutsche Evangelische Posaunentag in Leipzig wird von einer Bläserabordnung besucht, die sich dafür Katjas „altem“ Posaunenchor Niedernhausen/Fischbachtal zusammengetan hat. Gemeinsam musizieren wir auf dem Augustusplatz und vor Bachs Thomaskirche. Ein ganz besonderes Erlebnis ist der Abschlussgottesdienst mit mehreren tausend Bläsern im Zentralstadion.


Leipzig 2008: Bad in der Menge beim Posaunentag / Wiedersehen mit Tabea Fuhr als unerwartetes Einzelereignis


Arnoldshain 2008: Das obligatorische Probenwochenende

Zum Konzert Farbiger Herbst  ist es dann offiziell: Die noch recht kleine Jungbläsergruppe stellt sich unter dem Namen FetzBlech dem Publikum vor. Ältere Mitglieder denken hier zurück an die Anfänge der Bläserey mit ihrer großen Nachwuchsgruppe, um die sich damals das Geschwisterpaar Scheerer kümmerte. Leider sind Silvia und Reiner bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

So endet dieser Bericht wehmütig, gleichzeitig aber auch zuversichtlich. Denn Dank Emidios und Katjas Arbeit wird es sicher gelingen, an die erfolgreiche Jungbläserarbeit aus der Frühzeit der Praunheimer Bläserey anzuknüpfen.

Fritz Schmidt 


Nachtrag

Mindestens in Bildern soll aber auch von der Jubiläumsfete zum 20-jährigen Bestehen der Praunheimer Bläserey berichtet werden.


06.02.08, kurz nach 18 Uhr: Vorbereitung ist alles / Wann geht’s los? / Die Presse (Herr Wagner von der FNP) ist auch schon da


Bernd dirigiert zur Begrüßung den Brödel, drei Jungbläser hören zu / Ute kann sich noch gut an das Stück erinnern


Zorko Cuncic, Rolf Schneider, Evelyn Ströhle und Wolfgang Tews / Als Gastmusikanten mit dabei.: Etliche „Bonhoeffer-Bläser“, die beiden Lauterwalds,, Werner Schirrmeister (Horst Gerwert und Martin Eggers nicht im Bild)


Popmusik zu später Stunde / Martin im Aufbruch nach Emsdetten / Fritz verabschiedet den Bläserey-Gründer Bernd, unseren langjährigen Trompetensolisten Horst und Tonmeister (etc.) Wolfgang / Der harte Kern gegen Mitternacht




Na dann: Auf ins nächste Jahrzehnt !




   
Chorleiter ab der Gründung:
Bernd Lechla                   26.01.1989 - 16.12.1997       (Kantor)
Michael Dirks                   13.01.1998 - 30.06.2001       (Kantor)
Roman Kuperschmidt     27.03.2001 - 04.09.2001     
Tabea Fuhr                     25.09.2001 - Ende 2004
Sebastian Blaut               Anfang 2005 - Ende 2006
Michael Buschmann        01.02.2007                             (Kantor)
     
 
        
Wie die Tuba nach Praunheim kam
Nachdem ich zehn Jahre Trompete gespielt hatte und inzwischen auf Posaune "herabgestiegen" war, blieb mein sehnlichster Wunsch noch immer, jemals eine Tuba zu spielen. Meinem Schwager, Pfarrer Michael Schirrmeister, gelang es endlich 1990, mir diesen Wunsch zu erfüllen, und das kam so: Bei einem seiner zahlreichen Besuche in der Patengemeide der Praunheimer Gemeinde, nämlich Eisleben, entdeckte er bei seinem Gastgeber einen "Schrotthaufen", der sich bei näherem Hinsehen als Tuba entpuppte. Kurz entschlossen packte er diesen hochwertigen Schrott in seinen Kofferraum und fuhr zur damaligen Grenze zwischen den beiden Deutschlands, auch "Eiserner Vorhang" genannt. Die wie stets und immer schikanös auftretenden Zollbeamten der DDR wollten das Gerät jedoch nicht passieren lassen: Der eine meinte, zur Ausfuhr von Schrott müsse eine Genehmigung vorgelegt werden. Der andere Zöllner argumentierte, es handele sich um eine Antiquität, für die gleichfalls eine Ausfuhrgenehmigung erteilt werden müsse. Mein Schwager Michael hielt dagegen, es sei weder das eine noch das andere gegeben, vielmehr handele es sich um ein Musikinstrument, für das keine Ausfuhrgenehmigung vorgelegt zu werden brauche, da es nicht spielbar sei. Klugerweise hatte er nämlich vorher das Mundstück im tiefsten Inneren seines Koffers versteckt, und ohne Mundstück ist ein Blechblasinstrument bekanntlich (zumindest für Laien) nicht spielbar. Mit dieser List gelang es, die Zollhürde zu überwinden und das Instrument in den "Westen" zu bringen. Ich habe mich riesig über das Instrument gefreut und es so herrichten lassen, daß es fast wie neu aussah. Sooft ich die ehemalige Grenze zwischen den beiden Deutschlands überquere, muß ich an die Anekdote mit der Tuba denken ..... 
Quelle: Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum, Alfred J. Ströhle

   

Das müssen wir natürlich feiern!
Dienstag, 26. Januar 1999, 20 Uhr: Beginn einer ganz normalen Probe der Praunheimer Bläserey? Eigentlich nein, denn fast auf die Stunde genau vor 10 Jahren bliesen unsere ersten 4 Bläserlinge zum ersten Mal, zusammengerufen von Bernd Lechla und Michael Schirrmeister. Aber Dienst ist Dienst und ... Jedenfalls: gefeiert wird erst am nächsten Freitag im Gemeindesaal, dem Ort besagter erster Probe. Kommen soll jeder, der bei uns schon einmal mitgeblasen hat. Also scheut Ursula keine Mühe, geänderte Adressen auszugraben. Hans-Jürgen druckt farbige Einladungen. Ute gestaltet eine Präsentation "historischer" Fotos und Dokumente. Und, und, und. Leider können die Trompeter des Gründungstages, Reiner und Silvia, nicht ausfindig gemacht werden. Und unser - im Wortsinn - erster Hornist Michael ist, trotz fleißiger Privatprobe, schließlich doch nicht zum Mitspielen in der Lage. Eigentlich sollte ja das "Gründungsquartett" den ersten Programmpunkt der Fete bilden. Nun also trotzdem: Vorhang auf! Probeleiter Bernd ist schon da. "Posaune Fritz" auch. 1. und 2. Trompete? Kein Problem, das übernehmen Ursula und Rolf, die am Tag der ersten Probe auch schon dabei waren - als hoch motivierte Zuhörer. Und das Waldhorn: Eigens herbeigeeilt aus Kiel, mitsamt Alt- (musikalisch: Tenor-) Bläser Gerald. Auch sonst frohes Wiedersehen mit mehr oder weniger weit Hergereisten, ob aus Oberursel, Burbach-Niederdresselndorf oder auch Trier, von wo zwei inzwischen verehelichte Ehemalige eintrafen, zusammen mit einem aluminiumtrichterblasenden Sohn. Weiter geht's in wechselnden Besetzungen: Volkslied, Choral, Gospelsong, Barock und Romantik ("Tiefe Stimmen" mit v.Webers Jägerchor) - als kurze Beispiele aus dem seit 1989 angesammelten Repertoir. Und dann mit allen, die eine Kanne (vulg. für Blechblasinstrument) dabei haben, "der Brödel" früher besonders oft gespielt und daher von spitzen Zungen auch schon "Praunheimer Nationalhymne" genannt. Als Überleitung zum noch gemütlicheren Teil dürfen sich, nach den Ohren, auch die Augen erinnern: Eine Diashow mit ausgewählten Aufnahmen verschiedener Bläser-Fotografen erlaubt das altbekannte "ei gugg emal"! Auch die Kehlen müssen nicht schmachten und die Mägen nicht knurren, denn viele fleißige Hände haben bestens für das leibliche Wohl gesorgt. Nach dem Ende des ordentlichen Festprogramms ist der Weg frei für Improvisation und spontane Auftritte: Neueste Ergebnisse der Instrumentenbaukunst werden vorgestellt (Konservophon, Schlauchgießkanne, trichterbestücktes Elektrorohr). Drei tapfere Schneider-lein (davon nur 2 miteinander verwandt) blasen unkirchliche Stücke auf Posaune, Trompete, Saxophon - solo, mit Horst am Flügel oder with friends in freier Bluesformation. Apropos Horst. Ihm gelingen im Laufe des Abends die Beweise, daß ein Bläser gleichzeitig cantus firmus und Begleitung (am Flügel), daß zwei Bläser gleichzeitig 1 Instrument (Konservophon + 2 Mundstücke) und daß ein Bläser auf einem Instrument gleichzeitig aus zwei Schallöffnungen (offene Konservenbüchse und Vibratoschlauch) spielen kann. Anregungen fiir Michael Dierks und die nächsten 10 Jahre? Na, mal sehen.
Quelle: Festschrift zum 10-jährigen Jubiläum, Fritz Schmidt